Bewegungsapparat - Gut in Form

 Erst mit 28 Jahren ist das Knochenwachstum vollendet - ein langer und tiefer Prozess von der Weichheit eines Babys zur Stabilität eines erwachsenen Menschen. Aufrecht in der Wirbelsäule und gehalten von der Muskulatur sind wir in der Lage uns zu bewegen - frei und nach unserem Willen. Große und kleine Gelenke verbinden die Knochen zum vollständigen Skelett während die  Sehnen die Bewegungen dabei geschmeidig führen. Mit Hilfe des Bewegungsapparates erst können wir unsere Umwelt direkt begreifen, sie aktiv umformen und gestalten.

 

Ist der Knochenbildeprozess abgeschlossen erfolgt schon in mittleren Jahren ein leiser, natürlicher Abbau von Knochen- und Knorpelsubstanz. Zudem ist der Stoffwechsel im Bewegungsapparat im Vergleich zu anderen Organen recht langsam, so dass Abbau- und Aufbauprozesse sich nicht immer die Waage halten. Über die Zeit kommt es zu ersten unbemerkten Ablagerungen, Stockungen im Blut- und Lymphstrom, Verhärtungen und aufgerauten Knorpeln. Im Alter werden die Knochen leichter, luftiger, sollten aber noch so geschmeidig-fest sein, dass sie nicht grundlos brechen.

 

Erkrankungen des Bewegungsapparates können sehr schmerzhaft und bewegungs-einschränkend sein.

Sie sind seltener angeboren, aber häufige Begleiter ab der Lebensmitte, in den Wechseljahren und im Alter. Rücken-, Schulter-, Ellbogen-  und Knieprobleme haben oft akute Auslöser wie Verletzungen, Überanstrengung, kaltes und feuchtes Wetter, falsche Sitzhaltung oder Bewegungsmangel. Chronische Beschwerden, v. a. an Wirbeln und Gelenken, können zu Verformungen (Degeneration) führen, was meist zusätzlich mit Steifheit und schubweise mit Schwellungen verbunden ist. Diese Zustände können auch "aktivieren", das heisst sich entzünden, was die Schmerzen und Bewegung unerträglich werden lässt.

Am Anfang ist immer die Verkühlung.

Kälte, auch seelische, kann bis auf die Knochen gehen. Ist sie erst einmal so tief eingedrungen, lässt sie sich schwer mit der Wärmflasche vertreiben. Viele orthopädische und rheumatische Erkrankungen haben primär mit Kälte, erst später, wenn die feuchten Stagnationen zu lange andauern mit Hitze zu tun. Beschwerden des Bewegungsapparates beugt man am besten vor,  möglichst ab Mitte 30: regelmäßige und maßvolle Bewegung verbessern die Zirkulation an Knorpel und Bandscheiben, der Stoffwechsel vor Ort wird entlastet, Knochen und Muskeln gleichzeitig besser ernährt. Im Frühjahr und Herbst angewandte spezielle Teekuren beugen Ablagerungs- und Entzündungstendenzen vor. Knochen erholen sich vor allem nachts und im Winter, wenn man sich die Ruhe gönnt.

 

Wenn es akut schlimm oder schon chronisch ist, geht es darum Aufgestautes in Fluss zu bringen, Erstarrtes zu lösen und aus der Form Geratenes zu ordnen. Der Gesamtstoffwechsel muss so umgestimmt werden, dass Lösen und Binden wieder ins Gleichgewicht kommen. Eine angenehme und zudem schmerzlindernde Maßnahme sind äußere Anwendungen mit Wickeln, Salbenverbänden und Bienenwachsauflagen - traditionell und wirksam. Ist eine Injektionstherapie anzuraten, kann diese zusammen mit den äußeren Anwendungen in die Rhythmischen Einreibungen  integriert werden.

Akupunktur ist eine Domäne in der alternativen Schmerztherapie.

Speziell bei Erkrankungen des Bewegungsapparates empfiehlt sich zur Unterbrechung und Linderung des Schmerzkarussells eine Serie von Akupunkturbehandlungen. Ob akut oder chronisch, die Auswahl der Akupunkturpunkte erfolgt nach individueller Diagnostik. Bei chronischen Beschwerden ist es sinnvoll vorbeugend zu behandeln, etwa 1 - 2 x im Jahr, um Schmerz- und Entzündungsschübe zu lindern oder zu vermeiden. Gleichzeitig beeinflusst die Akupunktur  andere Befindlichkeitsstörungen positiv, die mit der Grunderkrankung einhergehen.

Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) empfiehlt Akupunktur

  • Hier finden Sie einen Auszug der Indikationen:

Schmerz und Gefühle

Die moderne Hirnforschung belegt, dass Schmerz und Gefühle in denselben Hirnarealen verarbeitet werden: körperlicher Schmerz kann stellvertretend seelischen Schmerz und Kummer repräsentieren. Schon Rudolf Steiner wies darauf hin, dass speziell Schockerlebnisse, physische Verletzungen, Operationen und seelische Traumata das Wesensgefüge eines Menschen so schwer belasten können, dass sich eine Neigung zu rheumatischen Krankheiten im Kindes- oder Erwachsenenalter entwickeln kann. In gewisser Weise löst der Mensch, eigentlich zum Schutz seiner selbst, sein Seelen - Ich, das nur in angenehmer Wärme leben kann, aus dem Körperlichen heraus. Die Wärme der Entzündung kann als Heilimpuls verstanden werden, jedoch nicht adäquat beantwortet und überwunden werden. Begleitend zu allen inneren und äußeren Maßnahmen hilft die Traumatherapie Somatic Experiencing (SE) den Körper wieder zu bewohnen und das Leben nach den eigenen Möglichkeiten zu gestalten.