Ein Krieger greift nicht an, sondern verteidigt. Und zwar das Leben, das durch die Gunst der Liebesgöttin entsteht und behütet wird. 

Christian Rätsch

Immunsystem  - Wächter der Gesundheit

Kaum ein "Organ" ist so komplex wie unser Immunsystem.

Ein Meer aus Flüssigkeiten voller Abwehrzellen, Antikörper und sog. "Fresszellen" kümmert sich um die Abwehr körperfremder Stoffe wie Bakterien und Viren, Pollen oder Insektengifte. Das Immunsystem hat ein eigenes Erinnerungssystem, wenn es um das Eindringen bereits bekannter Erreger geht, das funktioniert zuverlässig und spart Zeit.  Es arbeitet eng mit dem Nervensystem zusammen und reagiert auf unser psychisches Befinden. Ein Teil des Immunsystems ist uns angeboren, und eine gute Immunlage der Mutter während Schwangerschaft und Stillzeit entscheidet über das Wohl des Kindes mit.

 

Unser  Immunsystem lernt in der Kindheit zwischen "eigen" und "fremd" zu unterscheiden.

Erst dadurch wird das Heranreifen eines einer individuellen Identität, eines "ICH BIN", das sich wie selbstverständlich gegen die Umwelt abgrenzen kann, möglich. Die äußere Haut und alle Schleimhäute des Körpers übernehmen hier eine wichtige Grenzfunktion. Gesunde Immunreaktionen erfordern innere Wärmeprozesse, bei einer akuten Infektion am besten ein kontrolliertes Fieber, damit der Körper sie ganz überwinden und gestärkt aus einer Erkrankung hervorgehen kann. Heutzutage ist das Gegenteil der Fall: die Menschen sind eher "kalt" und Infekte werden voreilig durch ungeeignete Maßnahmen unterbunden. 

 

Dysbalancen des Immunsystems gibt es viele.

Allergien zeigen sich im Atemtrakt, an den Schleimhäuten und auf der Haut.

Besonders lästig sind die jährlich wiederkehrenden Allergien auf Pollen.

Der Körper stuft harmlose, natürliche Stoffe als gefährlich ein und möchte sie auf schnellstem Wege mit Hilfe einer Entzündung wieder loswerden: der Mensch "läuft aus", und gerade die sensiblen Naturen verströmen sich dabei geistig - seelisch stark im Außen. Die innere Mitte wird instabil und das Allgemeinbefinden geht mit unsäglicher Müdigkeit einher. Eine Allergieneigung sollte immer vorbereitend im Herbst und Winter behandelt werden, weil z. B. eine zu kühle Ernährung  und Schleimbildung  in der kalten Jahreszeit den Boden für einen Allergieschub im Frühjahr, wenn sich klimatisch Wärme und Kälte vermischen, bereiten. Allergiesymptome können so abgemildert und im Akutfall leichter mit Akupunktur und Injektionen behandelt werden. 

Nahrungsmittelallergien deuten auf ein sehr empfindliches Immunsystem hin.

Eine gesunde  Darmschleimhaut übernimmt zusammen mit der individuellen Darmflora in etwa 80 %  der gesamten Immunleistungen im Körper. Ein großes Nervengeflecht, das sogenannte "Bauchhirn" vermittelt zwischen Bauch und Kopf, weshalb Ärger auf den Magen schlagen, Sorgen zu Appetitlosigkeit und Ängste zu Durchfällen führen können. Allergische Reaktionen im Darm reizen auf Dauer die Schleimhäute, erzeugen viel Hitze, wodurch der Darm durchlässig (in gewissem Sinne "löchrig") werden kann, und erfordern bei Lungen- und Hautbeteiligung immer eine  ärztliche Notfallmedikation in der Tasche. Werden die auslösenden Allergene gemieden, kann mit Hilfe einer Ernährungsumstellung, Darmsanierung und homöopathischer Therapie das überschießende Immunsystem beruhigt werden.

Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind  Ausdruck einer Überforderung des Verdauungssystems.

Sie können unangenehme Bauchsymptome hervorrufen und das allgemeine Wohlbefinden erheblich stören. Die häufigsten Gründe hierfür liegen in einer minderwertigen, mit Zusatzstoffen belasteten Nahrung und in künstlichen Getränken, meist kombiniert mit Stress oder seelischen Belastungen. Unter solchen Bedingungen gerät die Ausschüttung von Verdauungssäften, Enzymen und Hormonen aus dem Lot. Nahrungsbestandteile werden nicht zu Ende verdaut und es bilden sich Entzündungsstoffe, die die Darmwand durchlässig machen können. Das Blut wird überschwemmt mit Stoffen, die der Körper nicht zum Energiegewinn und zum Aufbau gesunder Körperstrukturen gebrauchen kann. Ständige Müdigkeit und ein chronischer Vitalstoffmangel sind die Folgen. Auch hier gilt: Unverträgliches muss zunächst gemieden und die Ernährung  qualitativ aufgewertet werden, damit der Stoffwechsel sich erholen kann. Begleitend erfolgt eine individuelle Therapie aus dem großen Schatz der Naturheilkunde.

Autoimmun - wenn die eigene Gestalt verloren geht.

Bei einer Autoimmunerkrankung zerstört der Körper durch ein gezieltes Vorgehen körpereigenes Gewebe, welches er fälschlicherweise als "fremd" oder "nicht zugehörig"  klassifiziert. Der Körper ist nicht mehr in der Lage, die betreffenden Organe in ihrer Gestalt zu erhalten und grenzt sie förmlich aus dem Gesamtorganismus aus. Sehr häufig kommt dieser Prozess bei Frauen an der Schilddrüse vor, aber auch rheumatische Erkrankungen und bestimmte Haut- und Muskelerkrankungen können eine Autoimmungenese aufweisen. Chronisch oder schubweise kommt es zu Entzündungen, die von brennend heißem Charakter sind. Menschen mit einer Autoimmunerkrankung haben es oft schwer, ihren Platz im Leben zu finden, sind sich ihres Wertes und ihrer Aufgabe im Leben nicht wirklich bewusst. In der Psychosomatik des betroffenen Organs lassen sich gute Hinweise gewinnen, die im gemeinsamen Gespräch entschlüsselt und vertieft werden können, so dass der Krankheitssinn verstanden und eine gesunde Orientierung im Leben gefunden werden kann. Auf der körperlichen Ebene unterstützen vor allem Organpräparate der Anthroposophischen Medizin die Neuorganisation des Matrixgewebes, das die lebendig zirkulierende Bindegewebsflüssigkeit enthält, die alle Organe zusammenhält und miteinander verbindet.

Immunsystem und Tumorerkrankungen - blind für das Wesentliche

Ein intaktes Immunsystem filtert Tag und Nacht beschädigte Körperzellen aus.

Nur hier, bei einer Tumorerkrankung, ist es wie wenn das Immunsystem an gewissen Stellen blind ist: krankhafte Fremdprozesse im eigenen Organismus werden nicht erkannt und eine Geschwulst kann unbemerkt anfangen ein Eigenleben zu führen - das muss nicht zwangsläufig eine bösartige Sache sein. Möglicherweise gibt es  eine "Verdrehung": sog. "entartete", in den Gesamtorganismus nicht mehr eingebundene  Zellen manipulieren und umgehen das Immunsystem. Freund und Feind haben unbemerkt die Rollen getauscht, womöglich schon jahrelang.

 

Störungen im Wärmeorganismus mit ständigem Frieren und kalten Nieren, seelische Anspannung und Stauungen nicht bewegter Körperflüssigkeiten können das Immunsystem erschöpfen. Eine allzu skeptische oder trübe Grundstimmung, ständig funktionieren statt sich für etwas zu begeistern zu können, lähmen das Immunsystem. Eigentlich chronisch leidende Menschen waren paradoxerweise selten akut krank und hatten oft seit der Kindheit kein Fieber mehr. Es ist ratsam, hier einen individuellen, ganzheitlichen Heilungsplan zu verfolgen, am besten für den Rest des Lebens. Die Begleitung sollte den Menschen - neben allen schulmedizinisch erforderlichen Maßnahmen - in seiner Gesamtheit ansprechen: körperlich, seelisch und geistig unter Einbeziehung der Biografie. Sich zu fragen, wofür man seine Kräfte im Leben wirklich beherzt einsetzen möchte, ist eine wesentliche Frage, auch an das Immunsystem.